Wir sind oft aufgeregt. Auch nach all den Jahren Tigertour durch Dörfer und Metropolen ist es immer wieder ein angenehmes Kribbeln vor dem Auftritt auf das Publikum zu warten… Auf den Auftritt zu warten… Diesmal ist es kein angenehmes Kribbeln – diesmal ist es Angst! Wir sitzen Backstage im (für uns vielleicht doch viel zu großen?) Lagerhaus und haben die Hosen voll. Der Soundcheck ist durch und nach einigem hin und her sitzt auch der Streichquartett-Sound. Jetzt sitzen die Jungs von der “Raketenabschussbasis” auf der Bühne und feilen an den besten Einstellungen, um für uns den Warm-Up zu machen. Und ich berarbeite systematisch die mickrigen Überreste meiner Fingernägel und hoffe, dass die letzten Wochen harter, harter Arbeit ausgereicht haben, um hier den Laden voll zu machen. Plakatieren in der ganzen Stadt, Mundpropaganda und erstaunlich gutes Pressefeedback: das muss doch eigentlich reichen.

Und es reicht. Schon 5 Minuten nach dem Einlass ist unser Publikumsmindestziel erreicht und es kommen immer mehr. Menschen über Menschen, die ich noch nie gesehen habe, bevölkern jetzt gut gelaunt das Lagerhaus und es wird so RICHTIG VOLL!! Schon vor dem Auftritt wird munter gekauft und “Raketenabschussbasis” heizen schonmal ordentlich ein. Ganz großer Auftritt – jederzeit wieder Jungs. Und dann ist es auf einmal so weit – ab auf die Bühne und den Lohn abholen für Monate bis Jahre harter Vorbereitungen voller Aufnahmen, Planungen und Organisation. Wir geben unser Bestes und werden belohnt mit dem Konzert unseres Lebens. Mit dem Streichquartett setzen wir dann schließlich nocheins drauf. Nach dem ersten gemeinsamen Song – Stille… Stille… Und dann der ohrenbetäubenste Applaus, den wir bis jetzt erlebt haben. Das Konzert endet schließlich mit Publikumsgesängen (sehr schön) und nocheinmal einer dicken Portion Streichquartett – Vielen Dank noch einmal an unsere sympathischen und grandiosen Mitmusiker. Nach dem Konzert: so viele liebe Worte und so viel Lob und so viele Käufer am Merchandise-Stand. Ein perfekter Konzertabend.

Am nächsten Tag geht es dann gesundheitlich leicht angeschlagen (Sebastian und ich (Niklas) probieren beide grippale Symptome im Zaum zu halten) weiter Richtung Leipzig ins “Noch besser leben” – campiert werden soll wieder in unserer Lieblings-WG, wo allerdings auch die Grippewelle kräftig zugeschlagen hat. Lieb, dass wir trotzdem bleiben dürfen. Auch ohne Havana Club. Nächstes mal! Versprochen! Schließlich erwischt es dann den, der von allen am fittesten und unverwüstlichsten gewirkt hatte. Richard wünschte sich an diesem Abend so einige Male den letzten Döner der Dönerbude gestern abend NICHT mehr gegessen zu haben. Also lassen wir ein Häuflein Elend in der Leipzig-WG und Sebastian und ich machen uns alleine auf den Weg ins “Noch besser leben”. Was für ein Kontrast. Gestern noch 3 Mann mit 4-Personen-Streichquartett und heute: Tiger light zu zweit. Aber wir nehmen die Herausforderung an und es wird ein besonderes Konzert. Ganz anders als gestern. Viel intimer, viel chaotischer und manchmal auch mit etwas augenzwinkernder Unprofessionalität, dafür aber mit ungeplanten und unplanbaren Sternstunden und immer wieder aufblitzenden besonderen Momenten, die wohl oft am besten aus dem Aufbrechen gewohnter Routine entstehen. Schön, daß wir den Abend retten konnten und es trotzdem allen so gut gefallen hat. Als Dank für die tolle Unterstützung hier eine extragroße Publikumsgallerie. Ihr wart toll!

Und am Sonntag dann noch Endspurt in der urigen Kneipe “Zum Gerücht” in Dresden. Wieder zu dritt und nach tapferem Innenstadt-Touriprogramm (ihr wisst schon: Semperoper, Zwinger, Frauenkirche). Etwas abschreckt von der Homepage mit Sprüchen wie “Saufen schmeckt” etc. waren wir uns nicht so ganz sicher, wie man hier auf unsere Musik reagieren würde. Aber: Sorgen einfach mal abgestellt, ein selbst-gebrautes Bier des Hauses genossen und nach dem wunderbar, stimmungsvollen Vorprogramm der supernetten Dresdener Band “Sofia” die Bühne geentert. Und wie fast immer waren wieder mal alle Befürchtungen umsonst. Dem Publikum gefällts, alle gehen mit und am Ende erreichen die Dresdener garantiert die größte Pro-Kopf-Durchschnittsmitsinglautstärke aller bisherigen Tigerkonzerte. So fühlt man sich willkommen und so sieht ein würdiger Abschluss für ein würdiges CD-Release-Wochenende aus.

Der Rest der Geschicht ist leider bekannt. Ein Stunde nach Ankunft in Bremen am Montag streckte mich hohes Fieber nieder. 40 Grad konstant – eher unbeeindruckt von Tabletten und ähnlichem Schnickschnack. 2 Tage später dann: Es ist zwar keine Schweingrippe aber eine ausgewachsene Lungenentzündung. Ab ins Krankenhaus sagt der Arzt. Damit ist es besiegelt, der Rest der Tour muss komplett ausfallen. Aber: Wir geben unser Bestes und werden versuchen Nachholtermine zu realisieren und für das Frühjahr ist Gottseidank die nächste Tour in Planung. Wir müssen also nicht zu lange warten, bis es dann endlich losgeht.

P.S.: Vielen Dank für eure Fotos! Falls jemand noch welche hat, bitte an niklas.keil@googlemail.com schicken. Danke!!



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